Buchvorstellungen

Kokain – Roman von Pitigrilli

13. November 2020

Tito Arnaudi, die Hauptfigur des Romans, verliebt sich in Maddalena, ein bürgerliches Mädchen. Da ihre Eltern beide für zu jung halten, übergeben sie Maddalena einer Erziehungsanstalt. Tito ahnt Schlimmes. Hinter vorgehaltener Hand wird auf den Straßen gemunkelt, diese Mädchen verlassen die Anstalt als Kokotten.

Tito reist nach Paris, auf der Suche nach einem neuen Leben. Mit gefälschten Zeugnissen gelingt es ihm, eine Anstellung als Journalist zu finden. Fortan ist er in einer bestimmten besseren Gesellschaftsschicht ein gern gesehener Mann. Um einen entsprechenden Artikel schreiben zu können, lässt sich Tito von der Modedroge Kokain beeindrucken. Er beobachtet genau, welche Stadien der Vergiftung in den Menschen um ihn, in jener besseren Gesellschaft, eingetreten sind. Er probiert von dem Pulver, um authentisch berichten zu können. Amüsiert betrachtet er sein Umfeld, schreibt dann und wann einen Artikel für die Zeitung.

Es kommt, wie es kommen muss: Er wird abhängig, versinkt im Laufe des Romans immer tiefer im Drogensumpf und in der Welt der Prostituierten, zu der nun auch Maddalena, die sich jetzt Maud nennt, gehört.

Die Reise seines Lebens geht um die ganze Welt, verliert sich in Alkohol, Kokain, Frauen und seiner Jugendliebe Maddalena.

Klappentext

In seinem berühmt-berüchtigten und mehrfach verbotenen Roman erzählt der italienische Skandalautor der Zwanzigerjahre die Geschichte eines jungen Journalisten, der auf der Suche nach Reportagen für seine sensationshungrigen Leser immer tiefer in den Strudel dekadenter Abenteuer gerät. Schaurig eindringlich beschreibt Pitigrilli, wie Kokain aus schillernden Persönlichkeiten „schrille, einbalsamierte Vögel“ macht.

Mein Eindruck

Das Buch ist einhundert Jahre alt. Es sollte sich, so nahm ich zumindest an, lesen, als käme es aus einer vergangenen Zeit. Das Gegenteil ist der Fall: Der Roman wirkt verblüffend und schockierend aktuell! Ich nehme eine Szene als Beispiel: Tito hat keine Lust zu einer Hinrichtung zu gehen. Er schreibt in seinem Hotelzimmer einen Artikel, der seiner Fantasie entspringt. Alle Welt nimmt dies nach der Veröffentlichung für bare Münze. Dass der Verurteilte in letzter Sekunde begnadigt wurde, interessiert niemanden. Heute nennen wir so etwas Fake News.

Im Roman finden sich einige solcher Stellen, die zeigen, das damalige Verhalten der Menschen in der Gesellschaft hat sich nach einhundert Jahren wenig geändert.

Pitigrilli, eigentlich Dino Segre, wurde 1893 in Turin geboren, wo er auch 1975 starb. Der promovierte Rechtswissenschaftler arbeitete als Redakteur für verschiedene Zeitungen. Bevor er 1940 Lina Furlan heiratete, Italiens erste Rechtsanwältin an einem Schwurgericht, galt Pitigrilli als Salonlöwe. Die Zwanzigerjahre verbrachte er als Zeitungskorrespondent in Paris, wo auch seine ersten, heftig diskutierten Bücher entstanden. Als 1939 auch in Italien die Rassengesetze in Kraft traten, musste er auswandern, zunächst in die Schweiz, dann nach Argentinien. (Umschlagtext)

  • ISBN: 978 3 499 23233 6
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch (rororo)

Die deutsche Übersetzung von Maria Gagliardi erschien erstmals 1927 im Eden Verlag, Berlin, wurde 1988 für die vorliegende Ausgabe bearbeitet. (Umschlag)

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