Buchvorstellungen

Das Tor – Basma Abdel Aziz

13. September 2020

Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit den sogenannten „Schändlichen Ereignissen“ wird die Bevölkerung massiv von der Regierung unterdrückt. Peinlich genau achtet die Sicherheitsgarde auf die Einhaltung der Gesetze, wer gegen die Regeln verstößt, verschwindet spurlos in den Kellern der Behörden. Für alles brauchen die Behörden eine Genehmigung des Staates, für die sie sich vor dem großen Tor anstellen müssen. Doch die Schlange, die Menschen, die in der brütenden Hitze warten, wird von Tag zu Tag länger, das Tor öffnet sich nicht. Da ist zum Beispiel die junge Lehrerin Ines, die eine Unbedenklichkeitserklärung braucht, nachdem sie den kritischen Aufsatz einer Schülerin in der Klasse vorgelesen hat. Oder der Regimekritiker Yahya, der eine Erlaubnis benötigt, sich einer lebensnotwendigen Operation zu unterziehen. Oder die namenlose alte Frau, die einfach nur Brot kaufen möchte. Sie und viele andere warten Tag und Nacht vor dem Tor – vergebens, aber dennoch voller Hoffnung, dass es irgendwann aufgehen wird.

Umschlag „Das Tor“

Basma Abdel Aziz zeichnet in ihrer Dystopie das Leben in einem totalitären Staat (der Zukunft). Vieles lässt sich herauslesen: zum Beispiel die totale Überwachung nicht nur der Handys, manche Leute verschwinden über Nacht, Unterdrückung in jeglicher Form.

Am Beispiel des Regimekritikers Yahya gerät der Staat (das Tor) in besondere Bedrängnis: Yahya war Teilnehmer der „Schändlichen Ereignisse“ und wurde im Zuge dessen von Regierungstruppen angeschossen. Andere Demonstranten, die verletzt oder tot geborgen wurden, verschwanden einfach im Militärkrankenhaus.

Yahya möchte die Kugel von einem zivilen Krankenhausarzt entfernt bekommen, er war, als er sah, was mit seinen Kameraden geschah, aus dem Militärkrankenhaus geflohen. Per Dekret des Tores wurde allen Ärzten, außer denen, die im Militärkrankenhaus tätig sind, verboten, Schusswunden zu behandeln.

Da das Tor aber bestreitet, während der „Schändlichen Ereignisse“ auf die Demonstranten geschossen zu haben, glaubt einerseits niemand an die Kugel in Yahyas Körper, andererseits ist sie ein Beweis für die Lügen der Regierung …

Auf der Rückseite des Romanes findet sich ein Zitat der „New York Times“: „Das Tor muss in einem Atemzug mit den großen Klassikern wie Georges Orwells „1984“ und Franz Kafkas „Der Prozess“ genannt werden.“ Dem kann ich nur zustimmen.

  • ISBN: 978 3 453 32046 8
  • Verlag: Heyne
  • Aus dem Arabischen von Larissa Bender

Basma Abdel Aziz

… wurde 1976 in Kairo, Ägypten geboren. Sie arbeitet als Künstlerin, Schriftstellerin und Psychiaterin, wobei sie auf die Behandlung von Traumapatienten spezialisiert ist. In ihrer Heimat setzt sie sich unermüdlich für den Kampf gegen Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte ein. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet und 2016 vom „Foreign Policy Magazine“ in der Liste der führenden Global Thinkers aufgenommen. Die Autorin lebt in Kairo. (Umschlagtext)

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