Buchvorstellungen

Der Meister und Margarita – Michail Bulgakow

15. August 2020

Ein Fremder taucht in Moskau auf. Vielleicht ein Ausländer – so genau weiß das niemand. Er mischt sich in einem Park in ein Gespräch zweier Literaten ein und prophezeit dem einen, Berlioz, auf welche Art und Weise er sterben wird.

„Ja, der Mensch ist sterblich, aber das wäre nicht so schlimm. Schlimm ist, dass er bisweilen sehr plötzlich stirbt, da liegt der Hase im Pfeffer! Nie kann er sagen, was er noch am selben Abend tun wird.“

Seite 21/ 22

Berlioz hält diese Aussage für Gewäsch. Er ist sich sicher, den Abend vorhersehen zu können. Der Fremde, der sich mit dem Namen Voland, Professor für schwarze Magie, vorstellte, erklärte lapidar:

„Ihnen wird der Kopf vom Rumpf getrennt!“ Mit weit aufgerissenen Augen, mit irrem und bösem Blick glotzte Besdomny den dreisten Ausländer an, und Berlioz fragte mit schiefem Grinsen: „Wer wird denn das tun? Feinde? Interventen?“ – „Nein“, antwortete der Unbekannte, „eine russische Frau, eine Komsomolzin.“

Seite 22

Als das angekündigte Unheil seinen Lauf nimmt, wird klar, der Teufel persönlich gastiert in Moskau. Während des Romans tauchen immer wieder Gehilfen des Teufels in Erscheinung. Die eindrucksvollste Figur ist ein riesiger Kater (Begemoth), der sprechen kann und viele weitere menschliche Züge aufweist.

In Moskau geschehen in der Folge immer wieder merkwürdige Dinge, die auf den Teufel und seine Gehilfen zurückzuführen sind.

Der Meister

Neben diesem Erzählstrang, der auch Parallelen zu Goethes Faust aufweist, existiert noch eine weitere Handlung, die, wie sich erst im Laufe des Romans herausstellt, Auszüge aus dem Roman des Meisters (der Schriftsteller behauptet keinen Namen zu besitzen – man nennt ihn einfach Meister) darstellen. Dabei geht es um die letzten Tage aus dem Leben Pontius Pilatus, der für die Verurteilung Jesu von Nazareth (hier: Jeshua han-Nasri) verantwortlich ist.

Margarita

Margarita ist eine verheiratete Frau, der es eigentlich an nichts fehlt. Ihr Mann ist vermögend, sodass sie vor dem „Armenhaus Russland“ (Satire!) geschützt ist. Und trotzdem hat sie sich in den Meister verliebt. Sie geht soweit, dass sie dem Teufel ihre Seele verkauft, um für immer an der Seite des Meisters sein zu können (… im Leben, wie im Tod …).

Der Roman

Ich verstehe den Roman als Satire auf seine Zeit. Das Werk entstand zwischen 1928 und 1940.

In der Sowjetunion gab es offiziell keinen Glauben, keine Religion. Aus diesem Grund zeigen sich die Auszüge aus dem Roman des Meisters sehr entschlackt. Sie folgen zwar den Überlieferungen der biblischen Geschichte, enthalten jedoch keinerlei übernatürliche Vorkommnisse, selbst Jeshua hat keine Anhängerschaft.

Wie kann Margarita eine Frau sein, die aus einer vermögenderen Gesellschaftsschicht kommt? Sind im Sozialismus nicht alle Menschen gleich?

Auch das Problem der Wohnungsknappheit und der Gerissenheit einzelner, an eine Wohnung zu kommen, wird im Roman behandelt.

Bei dem Versuch der Behörden, die im Roman vorkommen, die mysteriösen Ereignisse in Moskau logisch zu erklären, geht man schnell von einer Hypnose aus. Jetzt könnte man auch gewisse Drogen (von Alkohol bis verbotene Substanzen) hineininterpretieren – Alkohol, dafür ist der Russe bekannt (Klischee); andere, verbotene Substanzen, existierten im Sozialismus nicht (offiziell).

  • ISBN: 978 3 630 62093 0
  • Verlag: Sammlung Luchterhand
  • Aus dem Russischen von Thomas Reschke

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