Buchvorstellungen

Schatten über Marrakesch – James von Leyden

1. August 2020

In der schmalen Gasse neben der Moschee stand eine Gruppe Männer zusammen. Karim erkannte den Muezzin und einige der örtlichen Ladenbesitzer. Ein großer, ausladend gestikulierender Mann in Hemd und hochgekrempelter Hose stritt mit einem, der eine djellaba trug. Karim glaubte schon, es hätte ein Kampf stattgefunden. Die Gruppe wich auseinander, um ihn durchzulassen. Der große Mann deutete auf einen abgestellten Handkarren. Mit lauter Stimme verkündete er, dass der Karren ihm gehöre, ihm aber gestohlen worden sei und er deshalb – „Gott sei mein Zeuge“ – nichts mit dem zu tun habe, was sich darauf befinde.

Karim selbst bemerkte auf den ersten Blick nur einen Stapel zusammengefalteter Kartons. Er hob die oberste Lage fort, und ein winziges Stück Stoff wurde sichtbar. Nach der nächsten Pappe kam ein Arm zum Vorschein, der in einem roten Ärmel steckte. Noch ein Karton, und nun starrte er auf die Leiche einer jungen, etwa zwanzigjährigen Frau in einem roten Kleid. Sie hatte lange schwarze Haare und lag zusammengerollt da, als würde sie schlafen.

Seite 40

Panorama Marrakesch

Der Krimi spielt 2011. In jenem Jahr lag der Ramadan, inmitten dieser Zeit entfaltet sich die Geschichte des Romans, im August. Viele Menschen hatten aufgrund der religiösen Fastenzeit in Verbindung mit der unerträglichen Sommerhitze zu kämpfen. Es gab auch Tote.

Karim, ein junger Ermittler, wurde abgestellt, um Fälschungen jeglicher Art ausfindig zu machen. Der Schwarzmarkt für billigen Schmuck, Uhren, gefälschte Medikamente breitet sich immer weiter aus.

Obwohl er der erste Polizist ist, der vor der Leiche der jungen Frau steht, wird ihm der Fall sofort wieder entzogen. Dennoch bleibt er auf dem Laufenden, ermittelt auf eigene Faust und kommt so der Lösung immer näher.

„Schatten über Marrakesch“ ist ein einfacher Krimi. Vielmehr geht es darum, Interesse für die fremdartige Stadt zu wecken. Das gelingt dem Roman auch. Der Leser erlebt eine prickelnde Welt, versetzt sich in Sand, Hitze, schmale Gassen, luxuriöse Hotels …

In einer Anmerkung erklärt der Autor unter anderem, warum in der Geschichte von verunstalteten Werbeplakaten die Rede ist, wieso während der Ermittlungen die Angst aufkommt, dieser Fall könnte Touristen abschrecken, davon abhalten, nach Marrakesch zu reisen.

Am 28. April (2011 Anm.) explodierte im Café Argana auf dem Jemaa el Fna eine Bombe, die siebzehn Menschen in den Tod riss, darunter viele Touristen. Etwa um dieselbe Zeit verunstalteten Unbekannte an einer Ausfallstraße Marrakeschs einige Reklametafeln, auf denen mit der Schauspielerin Eva Longoria für ein Wohnbauprojekt geworben wurde.

Nachbemerkungen Seite 455

Insgesamt empfiehlt sich das Buch als Urlaubslektüre für fernwehgeplagte Leser …

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