Buchvorstellungen

Washington Black – Esi Edugyan

25. Januar 2020

Unter unserem neuen Master wurde es auf Faith zunehmend düster. In seiner zweiten Woche entließ er die alten Aufseher. An ihrer Stelle erschienen grobschlächtige tätowierte Männer von den Docks, die in der Hitze die roten Gesichter verzogen. Ehemalige Soldaten oder Sklavenhändler oder einfach nur mittellose Inselbewohner, die ihre zerknüllten Papiere in den Taschen trugen und deren teuflische Augen tief in den Höhlen lagen. Dann begannen die Verstümmelungen. Wozu sollten wir mit solchen Verletzungen noch taugen? Ich sah Männer mit blutüberströmten Beinen in die Felder humpeln; ich sah Frauen mit blutdurchtränkten Bandagen über den Ohren. Sie schnitten Edward die Zunge heraus, weil er Widerworte gegeben hatte; Elizabeth zwangen sie, aus einem vollen Nachttopf zu essen, weil sie den vom Vortag nicht gründlich genug geschruppt hatte. James versuchte, wegzulaufen, also statuierten sie an ihm ein Exempel. Der Master befahl einem Aufseher, ihn vor unseren Augen bei lebendigem Leib zu verbrennen. Später wurde in der Glut seines Scheiterhaufens ein Eisen erhitzt, und wir wurden gezwungen, an seinen entsetzlich verkohlten Überresten vorbeizugehen, während wir einer nach dem anderen ein zweites Mal gebranndmarkt wurden.

Zitat Seiten 15/ 16

Klappentext

Barbados, 1830: Der schwarze Sklavenjunge Washington Black schuftet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Naturwissenschaftler – und Gegner der Sklaverei. Das ungleiche Paar entkommt in einem selbst gebauten Luftschiff von der Plantage. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird.

Eine Geschichte von Selbstfindung und Verrat, von Liebe und Erlösung. Und eine Geschichte über die Frage: Was bedeutet Freiheit?

Mein Eindruck

Der Roman unterteilt sich in vier größere Abschnitte:

  • Teil 1: Faith – Plantage, Barbados 1830
  • Teil 2: Haltlos 1832
  • Teil 3: Nova Scotia 1834
  • Teil 4: England 1836

An den Überschriften kann man den ungefähren Lauf der Geschichte erahnen. Während der erste Teil die Form eines historischen Romans, der sich mit dem Leben auf einer Farm, den Ängsten und Zwängen der untergebenen Sklaven, das brutale Herrschaftsgehabe, das nach dem Generationswechsel ausuferte, trägt, dreht sich die Geschichte im zweiten und dritten Teil hin zu einem Abenteuerroman.

Es finden sich wunderbar gezeichnete Szenen, die an Erfindungen klassischer SF- und Abenteuerautoren erinnern, ohne diese zu kopieren.

Im letzten Teil ist Washington Black inzwischen frei. Er versucht, mithilfe eines weißen Mädchens, seiner Vergangenheit auf dem Grund zu gehen. So erfährt er einige Dinge von der Plantage, die das Puzzle in seinem Kopf als Ganzes erscheinen lassen. Und doch steht über allem die Frage: Was ist eigentlich Freiheit? Ist sie mit Heimatlosigkeit gleich zu setzen oder ist man frei, sollte man keine Vergangenheit und keine Zukunft haben? Oder ist es einfach die Frage nach dem freien Willen?

Fazit

Das Buch ist weniger als historischer Roman anzusehen (obwohl es das Leben der Sklaven sehr genau beschreibt), es ist ein Abenteuer, das wirklich gut erzählt ist. Für alle Leser klassischer Abenteuerromane …

  • ISBN: 978 3 8479 0665 0
  • Verlag: Eichborn
  • Aus dem kanadischen Englisch von Anabelle Assaf

Esi Edugyan

… lebt im kanadischen Victoria. „Washington Black“ ist ihr dritter Roman, war 2018 eines der erfolgreichsten Bücher weltweit und Lieblingslektüre von Barack Obama. Nominiert für den Booker Prize, die Carnegie Medal, den P.E.N.-Preis und viele mehr. Ausgezeichnet mit dem Giller-Preis, dem wichtigsten kanadischen Literaturpreis. (Umschlagtext)

Links

„Washington Black“ – Verlagswebseite: https://www.luebbe.de/eichborn/buecher/sonstige-belletristik/washington-black/id_7503733

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