Buchvorstellungen

Nullnummer – Umberto Eco

1. Januar 2020

Mailand 1992. Chefredakteur Simei heuert Journalisten, Redakteure, beruflich schreibendes Personal an, um eine neue Zeitung zu gründen. Sein Auftraggeber ist allerdings nur schemenhaft im Nebel zu erblicken (Commandatore Vimercate).

Als Erstes geht es um sogenannte Nullnummern, also Ausgaben, die vor der eigentlichen Markteinführung kreiert werden, um Anzeigenkunden und Werbeträger zu gewinnen, ihnen reell erscheinende Probeexemplare zu präsentieren.

Auch Colonna, einem bisher relativ erfolglosen Autor und Übersetzer, bietet Simei einen Job an. Er soll die Texte seiner neuen Kollegen redigieren. Der Chefredakteur möchte allerdings einen weiteren Auftrag von Colonna bearbeitet haben. Deshalb vertraut er ihm ein kleines Geheimnis an: Die Zeitung wird nie über die Nullnummern hinaus kommen.

„[…] unsere Mitarbeiter, die wir morgen treffen werden, dürfen das nicht erfahren, denn sie sollen bei ihrer Arbeit glauben, sie bauten sich eine Zukunft auf.“

Seite 34/ (E-Book)

Colonna soll als Ghostwriter dienen.

„Ein Buch?“, fragte ich ihn. „Ein Buch. Die Erinnerungen eines Journalisten, sein Bericht über ein Jahr Arbeit am Aufbau einer Zeitung, die niemals erscheinen wird.“

Seite 29 (E-Book)

Politisches zum Roman

In Mailand 1992 deckte der damalige Staatsanwalt Antonio Di Petro ein System von Korruption, Amtsmissbrauch und illegalen Parteifinanzierungen auf. (Der Begriff „Tangentopoli“ tauchte auf – übersetzt etwa „Stadt des Schmiergeldes“) Die Folge davon war der Zusammenbruch der Parteienlandschaft durch gerichtliche Verhandlungen, die sich auf das ganze Land ausweiteten. 1993 gründete Silvio Berlusconi die Forza Italia und regierte ab 1994.

Im selben Jahr 1992 wurden die beiden Mafia – Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino durch Bombenattentate ermordet.

Nullnummer

Diese Ereignisse tauchen in den redaktionellen Meetings als Randnotiz in Verbindung mit Falschmeldungen oder alternativen Fakten auf. Die vermeintlich brisanten Recherchearbeiten trifteten immer weiter ab in absurdeste Verschwörungstheorien.

In der Figur des Commandatore Vimercate lässt sich ein Seitenhieb auf Berlusconi (Andeutung von Medienimperien usw.) hineininterpretieren.

Fazit

Nullnummer ist eine Satire, die sich mit dem Medienempfinden unserer Zeit, dem kaum mehr zu unterscheidenden reellen Nachrichten von Fake News oder Verschwörungstheorien befasst.

Gleichzeitig nimmt Umberto Eco in seinem Roman die Machenschaften der Zeitungsbranche aufs Korn und legt damit den Finger in eine Wunde, deren Wundbrand bis heute schwelt.

Klappentext

Mailand, 6. Juni 1992, nachts. Bei dem Journalisten Colonna ist eingebrochen worden. Die Diskette mit brisanten Informationen hat man nicht gefunden, Colonna sieht jetzt sein eigenes Leben bedroht. Auch er spielt ein Doppelspiel: Er soll eine Zeitung lancieren, die mit schmutzigen Gerüchten über die gute Gesellschaft arbeitet. Zugleich schreibt er als Ghostwriter ein Enthüllungsbuch über den programmierten Skandal. Umberto Eco entwickelt eine rasante Kriminalgeschichte zwischen Wirtschaft, Politik und Presse. Und einen ironischen, provozierenden Roman über das 21. Jahrhundert: Je absurder die Nachrichten, desto deutlicher erkennt man die Gesellschaft von heute.

  • ISBN: 978 3 446 24939 4
  • Verlag: Carl Hanser
  • Übersetzt von Burkhart Kroeber

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