Buchvorstellungen

Moskitoküste – Paul Theroux

30. Dezember 2019

„ … Wir fuhren nach Springfield, zu einem dieser Einkaufszentren, die mehr Einkaufsirrgärten sind. Wir kauften Schuhe, und als ich dir Rechnung zahlte, schaute ich durch eine Tür in den Lagerraum, wo ein Schwarzes Brett für die Angestellten hing. In großen Lettern stand da eine Parole: „Wenn du dem Kunden genau das verkauft hast, was er wollte, dann hast du ihm nichts verkauft.“ Ein Schuhgeschäft. Am liebsten wär ich in meinen alten Schuhen davon gelaufen.“

„Das ist Verkaufsförderung“, sagte der Kapitän.

„Das ist der Ruin“, sagte Vater. „Wir essen, wenn wir keinen Hunger haben, wir trinken, wenn wir nicht durstig sind, wir kaufen, was wir nicht brauchen, und werfen weg, was nützlich ist. Bloß keinem das verkaufen, was er wirklich will – verkauf ihm, was er nicht will. Tu so, als hätte er acht Füße und zwei Mägen und Geld wie Heu. Das ist nicht etwa nur unlogisch – das ist böse.“

Quelle: Seite 104

Klappentext

Allie Fox hat ein für alle Mal genug von den USA und der vermeintlich zivilisierten Welt. Und so findet sich seine Familie bald auf einem Schiff nach Honduras wieder. Im Dschungel hinter der Moskitoküste will er nichts Geringeres, als sein ganz eigenes Paradies erschaffen. Was wie ein wahrgewordener Traum beginnt, gerät mehr und mehr zum Wahn und bringt die Familie an den Rand des Abgrunds.

Meine Meinung

Das Buch kritisiert die moderne Gesellschaft, vor allem den Kapitalismus in seiner derzeitigen Form. Die reine Geldgier der Menschen und Unternehmen, die Ertragssteigerung ins Unermessliche, unendliches Wachstum – all das klagt Allie Fox an. Da er selbst daran wenig ändern kann, gibt es nur eine Lösung für ihn: Ein Neubeginn im Dschungel von Honduras.

Ob die Kritik nun berechtigt ist oder nicht, darüber lässt sich viel diskutieren. Das Thema bearbeiten Politsatiriker genauso wie Verschwörungstheoretiker. Die Lösung, die Theroux in seinem Roman beschreibt, ist hart und abenteuerlich. Seine Hauptfigur Allie Fox ist sehr exzentrisch, egoistisch, durchsetzungsfähig und Stur. Er erfindet zum Beispiel einen überdimensionalen Eisschrank, der mit Feuer betrieben wird. Seine seltsamen Erfindungen lassen ihn als Genie erscheinen, seine Abneigung gegen alles Menschliche, seine gebrüllten Befehle, seine Schlaflosigkeit und seine seltsamen Gedanken („Ich habe euch aus Amerika herausgebracht. Amerika ist untergegangen, Mutter. Ich meine das wörtlich.“ [Seite 382]) zeigen ihn als Wahnsinnigen.

Der absolut empfehlenswerte kritische, mit den Fragen unserer Zeit spielende Abenteueroman erschien erstmals 1981. 1986 folgte eine Verfilmung mit Harrison Ford, Helen Miren und River Phoenix in den Hauptrollen.

  • ISBN: 978 3 455 00673 5
  • Erschienen 5. August 2019
  • Verlag: Atlantik/ Hoffmann und Campe
  • Übersetzung Werner Waldhoff (1983)

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