Buchvorstellungen

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete – Graham Moore

10. November 2019

Schon öfter sah ich dieses Buch im Handel liegen. Mal auf einem dieser Sortiertische, mal grinste es mich aus einem der Regale an. Der Titel ließ mich annehmen, es sei wieder eine dieser nachgemachten Holmes – Storys, die einem ab und an über den Weg liefen. Deshalb beachtete ich diesen Roman gar nicht.

Bis mir plötzlich der Autor auffiel. Graham Moore, hat der nicht auch …? Hat er. „Die letzten Tage der Nacht“ war von ihm. Und der Roman hatte mir sehr gut gefallen, auch weil er so gut recherchiert war („Die letzten Tage der Nacht“-Buchvorstellung). Ich sah mir also das Buch, das den Namen des großen Detektivs im Titel trägt, genauer an und kaufte es.

Inhalt

Natürlich war der Mann, der den Detektiv tötete, Arthur Conan Doyle selbst. Das kann ich sagen, ohne zu viel zu verraten.

Der Roman wird in zwei verschiedenen Handlungssträngen erzählt. Der eine Strang spielt um 1900. Arthur Conan Doyle hatte seinen Detektiv die Reichenbachfälle hinabstürzen lassen. Endlich war er ihn los. Er wurde ihm überdrüssig, ja er hasste ihn sogar. Und doch erwartete seine Leserschaft immer mehr. In dieser Situation wird ein Anschlag auf ihn verübt. Im Doyles Arbeitszimmer explodiert eine Briefbombe, gleichzeitig wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt, die im Zusammenhang mit der Briefbombe zu sehen ist. Der Schriftsteller und Arzt beginnt, seine eigenen Nachforschungen anzustellen. Unterstützt wird er dabei von seinem Freund Bram Stoker („Dracula“).

Der zweite Handlungsstrang liegt in der Gegenwart. In Doyles Hinterlassenschaft fehlt ein Tagebuch aus der Zeit um 1900, also der Zeit, in welcher der andere Handlungsstrang spielt. Rund einhundert Jahre wurde danach gesucht und geforscht, um Doyles Biografie zu vervollständigen. Ein Mitglied einer Sherlock Holmes Fangemeinde findet das Tagebuch und wird kurz darauf ermordet. Ein anderes Mitglied dieser Gesellschaft beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

In einem Nachwort erklärt der Autor, welche Ereignisse im Roman tatsächlich geschehen sind. Hier wird deutlich, wie nah der Roman Arthur Conan Doyles Biografie thematisiert. Zum Beispiel

  • waren verschiedenen Schriftstücke und Tagebuchaufzeichnungen aus jener Zeit wirklich rund einhundert Jahre verschollen
  • es gab einen Mord nach dem Auffinden der wertvollen Dokumente, die von einem Mitglied einer Sherlock Holmes Fangemeinde gefunden wurden
  • Arthur Conan Doyle war tatsächlich mit Bram Stoker befreundet
  • Doyle war tatsächlich in jenem Zeitraum als Berater für Scotland Yard tätig
  • usw.

Fazit

Ein Roman, den nicht nur Sherlock Holmes Fans, sondern auch Fans seines Erschaffers lesen sollten. Es gibt im Text auch Hinweise auf andere Werke Doyles. Ich persönlich hätte mir noch einen Fingerzeig auf Professor Challenger gewünscht („Die verlorene Welt“ – jene Geschichte, die später Michael Crichton aufgriff, um daraus „Jurassic Park“ zu machen).

Klappentext

Arthur Conan Doyle tritt in die Fußstapfen seiner berühmtesten Figur Sherlock Holmes: Weil Scotland Yard keinen Anlass sieht, den Mord an einem augenscheinlich leichten Mädchen aufzuklären, macht er sich selbst auf die Suche nach dem Mörder. Er schleicht durch die dunklen Straßen des viktorianischen London und landet an Orten, die kein Gentleman betreten sollte.

Etwa hundert Jahre später ist ein junger Sherlock-Fan in einen Mordfall verstrickt, bei dem Doyles verschwundenes Tagebuch und einige Fälle seines berühmten Detektivs eine wichtige Rolle spielen.

Zwei Morde, zwei Amateurdetektive, zwei Welten …

  • ISBN: 978 3 8479 0038 2
  • Verlag: Eichborn
  • Aus dem Amerikanischen von Kirsten Risselmann

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