Buchvorstellungen

Die letzten Tage der Nacht – Graham Moore

7. November 2019

Es ist schon einige Zeit her, seit ich dieses Buch las. Es hat mich sehr fasziniert und finde, gerade heute, während der aufwärts strebenden Elektromobilität, sollte ein Blick auf die Vergangenheit der Elektrizität, dem Kampf, jeden Haushalt, jede einzelne Straßenlaterne mit Strom zu versorgen, erlaubt und empfohlen sein.

Dabei hilft dieser packende Roman, der, auf wahren Ereignissen beruhend, von den großen Genies jener Zeit berichtet und von einem der spannendsten Themen der Geschichte – dem Stromkrieg.

Detailgetreu, alle Momente der Begebenheit aufgreifend, entwickelt der Autor seine Erzählung um den ersten und bis zu diesem Zeitpunkt größten Patentstreit im Bereich des Rechtswesens. Hier geht es nicht nur darum, wer die Glühlampe erfunden hat – das war nur der Auslöser der Debatte – hier geht es vor allem um die Elektrifizierung Amerikas und der ganzen Welt.

Dieser hervorragend recherchierte Roman zeigt die Schwierigkeiten der für uns heute so selbstverständlichen Stromgewinnung als diese noch in ihren Anfängen lag.

Thomas Edison (general electric) und George Westinghouse  waren erbitterte Gegner: Der eine setzte auf Gleichstrom, nutzte eine Art Inselsystem (ein Generator zur Unterhaltung weniger Haushalte), der andere setzte auf das bis heute übliche System Wechselstrom – transportierbar über viele Kilometer und bei weitem ungefährlicher als Gleichstrom.

Faszinierend ist auch die Rolle des Nikola Tesla – auf seinen Ideen beruht das Wechselstromsystem, das bis heute in jedem Haushalt zur Verfügung steht.

„Nikola? Gibt es hier drinnen Licht?“
Es knackte und knirschte noch ein paarmal in einiger Distanz, dann vernahm Paul Teslas nasale Stimme: „Ich möchte Sie nicht erleuchten mit bloßem Licht, Mr. Paul Cravath. Ich möchte das stattdessen tun mit elektrischem Gewitter.“
Plötzlich öffnete sich der Himmel selbst, und erhabene Blitze durchschnitten den Raum. So zumindest schien es Paul, der mit dem Mantelärmel seine Augen beschirmte. Als er sie schloss, hatten sich bereits hellrote und violette Narben in seine Netzhaut gebrannt.
Begleitet wurde die Darbietung von einem fürchterlichen Lärm, einem brutal aus lautem Fauchen und Knistern. Es war, als würde die Luft von elementaren Kräften entzweigerissen. Nach ein paar Augenblicken war Paul wieder in der Lage, blinzelnd die Augen zu öffnen. Was er in der Mitte des Raumes vor sich sah, war ein elektrisches Gerät von der Größe eines Gepäckwagens, über dem sich in sechs Metern Höhe eine gläserne, in etwa wie eine Glühbirne geformte, aber um ein Vielfaches größere Säule erhob. Von deren Oberfläche ging etwas aus, das Paul nur als enorme, sich einmal quer durch den Raum erstreckende Tentakel elektrischer Energie beschreiben konnte. Diese Tentakel fassten nach der Decke und nach den Wänden, ja selbst nach den weiter entfernten Ecken des höhlenartigen Raums. Sie griffen in den Raum wie die tastend zupackenden Arme eines riesenhaften elektrischen Monsters.
Die instinktive Angst, dieses Monster könnte herabsteigen und ihn in einem Stück verschlingen, ließ Paul zurückfahren. Aber irgendwie gingen ihm die sich wie wahnsinnig gebärdenden energetischen Fangarme aus dem Weg. Sie fuhren auch vorbei an den wahllos im Raum stehenden Schreibtischen, genauso ließen sie den großen Serben im schwarzen Anzug aus, der keinen halben Meter von der Glassäule entfernt unbewegt auf einem Holzstuhl saß. Nikola Teslas Hände ruhten entspannt in seinem Schoß, während die Luft rings um ihn knisterte.
„Also dann“, sagte er, schlug die langen Beine übereinander und bedachte Paul mit einem Lächeln. „Wie kommt die Arbeit voran in Mr. Westinghouse´Labor?“

Zitat Seiten 166/ 167

Klappentext

New York, 1888. Der junge Anwalt Paul Cravath steht in einem der größten Patentkriege aller Zeiten dem berühmten Thomas Edison gegenüber. Es geht um ein Wunder, um eine bahnbrechende Erfindung: die Glühlampe. Und damit um die Macht, das gesamte Land zu elektrifizieren. Edison ist ein verschlagener und gefährlicher Gegner mit einem Netzwerk aus Spionen, gekauften Journalisten und der Unterstützung von J.P.Morgan höchstpersönlich. Aber Paul teilt eine Eigenschaft mit Edison: den absoluten Willen zu gewinnen.

  • ISBN: 978 3 8479 0624 7
  • Verlag: Eichborn
  • Aus dem Amerikanischen von Kirsten Riesselmann

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