Buchvorstellungen

Der Metropolist – Seth Fried

3. November 2019

Viele Städte beeindrucken und gefallen, weil sie so perfekte Beispiele von menschlichem Ordnungssinn darstellen. Dabei denkt man an die großen europäischen Hauptstädte, an die Straßen von Paris mit ordentlich aufgereihten fünfstöckigen Haussmann – Bauten oder an das Open – Air – Museum Rom, wo man das Gefühl hat, dass kein Gebäude errichtet wurde, ohne das Thema der Stadt als Ganzes zu berücksichtigen. Die gelegentlichen Schnörkel oder internen Variationen, durch die so ein Ort bewusst aus sich herauszutreten versucht, verstärken nur den Eindruck, dass alles dort eigentlich das Produkt eines einzigen, einheitlichen Gedankens ist, ein bedächtiger und kunstvoller Ausdruck der Herrschaft des Menschen über seine Umwelt.
Metropolis ist keine solche Stadt. In der „Millionenstadt – Stadt“, wie ihre ehemalige Hofdichterin Amaya Davis sie nannte, prallen konkurrierende Visionen aufeinander. Art – déco – Wolkenkratzer aus der Frühzeit des Automobils stehen neben modernen Glastürmen und Wohnblocks, die sich ganze Alleen entlang ziehen. Gebäude mit programmierbaren Fassaden changieren im Schatten des Glockenturms einer zweihundert Jahre alten Kathedrale zu gefälligen Formen. Das akkurate Netz breiter Straßen weicht hier und da einem labyrinthischem Gewirr, wo noch Kopfsteinpflaster durch den Asphalt drückt, enge, sich durch alte Viertel mit niedrigen Häusern windende Gassen, die Passanten dazu verführen, sich tausend verregnete Nachmittage im neunzehnten Jahrhundert vorzustellen oder orientierungslos herumtaumelnde betrunkene Matrosen in einer glühend heißen Sommernacht. Diese Träumereien werden unweigerlich unterbrochen vom jähen Anblick schwindelerregend hoher Gebäude oder dem kräftigen Windstoß aus einem Luftschacht, wenn unterirdisch ein Hochgeschwindigkeitszug durchrast.

Zitat Seiten 57/ 58

Klappentext

Metropolis ist eine Stadt der Zukunft, der wahr gewordene amerikanische Traum. Henry Thompson, ein pflichtbewusster Beamter der Verkehrsbehörde, ist dafür zuständig, dass das auch so bleibt. Als die Tochter des Bürgermeisters verschwindet und Anschläge die Stadt erschüttern, beginnt Henry zu ermitteln – allerdings auf seine Art: Korrekt und regelkonform. Wäre da nicht OWEN, die künstliche Intelligenz der Behörde, die man ihm zur Seite gestellt hat. OWEN säuft, raucht und schert sich einen Dreck um Vorschriften. Doch um Metropolis zu retten, müssen sich Henry und OWEN wohl oder übel zusammenraufen …

Meine Meinung

„Der Metropolist“ ist eine kurzweilige SF – Krimi – Komödie für Zwischendurch. Nach einem schweren Arbeitstag hilft Seth Frieds humorvoller Roman der Zukunft beim Abschalten, beim vergessen alltäglicher Sorgen.

Die künstliche Intelligenz OWEN erinnert etwas an Bender aus der Serie „Futurama“, ist allerdings kein Blechroboter, sondern eine Art Hologramm, das sein Aussehen und das seiner näheren Umgebung verändern kann.

Fazit: Ein kurzweiliger Action – Humor – Krimi aus einer nicht allzu fernen Zukunft.

  • ISBN: 978 3 453 32014 7
  • Verlag: Heyne
  • Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke

Seth Fried

… ist Autor und Humorist. Er schreibt für „The New Yorker“ und „NPR“. Seine Geschichten wurden bereits in verschiedenen Magazinen und einer Story Sammlung veröffentlicht. Er ist Gewinner des Pushcart Preises und des William Peden Preises. (Umschlagtext)

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